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Goodbye | Iterations

Nitsan Margaliot

Mit Goodbye | Iterations nimmt Nitsan Margaliots Solo Goodbye in mehreren Stationen in Leipzig Gestalt an und findet im September mit seiner Leipzig-Premiere im Projektraum Remise 24 seinen Höhepunkt. Das Projekt findet im Rahmen von Tacheles - Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen und entfaltet sich in Formaten, die Begegnungen zwischen dem Künstler, dem Publikum und dem städtischen Kontext Leipzigs ermöglichen.

Im Juni lädt Margaliot im Rahmen der Jüdischen Woche in Leipzig zu einem Workshop ein, in dem er Einblicke in seine choreografische Arbeit und Bewegungspraxis gibt. Wenige Tage später eröffnen ein Work-in-Progress-Showing und ein interdisziplinäres Gespräch mit dem Kulturwissenschaftler und Ethnologen Dr. Todd Sekuler weitere Perspektiven auf die Themen des Stücks.

Im September wird das Solo im Rahmen des Projekts DIE BUDE von Hermann Heisig und Anne Zacho Søgaard präsentiert und tritt dabei in einen thematischen Dialog mit ihrem Audiowalk Wenn Wände sprechen.


Termine

Im Rahmen der jüdischen Woche in Leipzig:

21. Juni 2026, 11:00-14:00 Uhr:
Workshop: Persönliche Geschichten und Archiv im Spannungsfeld von Text, Bild und Körper - Mit Nitsan Margaliot

27. Juni 2026 16:00-17:30 Uhr:
TanzDIALOG - Über | Haltung | Unter: Zwischen Archiv und Körper - Mit Nitsan Margaliot und Dr. Todd Sekuler

Veranstaltungsort: 4fT–Tanzplattform Leipzig, Erich-Zeigner-Allee 64e, 04229 Leipzig

 

In Kooperation mit dem Projektraum Remise 24:

11. September 2026, 20:00 Uhr:
Leipzig-Premiere von Goodbye, im Rahmen des Projekt DIE BUDE von Hermann Heisig und Anne Zacho Søgaard.

12. September 2026, 20:00 Uhr:
Weitere Aufführung des Solos Goodbye im Rahmen des Projekt “DIE BUDE” von Hermann Heisig und Anne Zacho Søgaard.

Veranstaltungsort: Remise 24 - Leibnizstraße 24, Leipzig 04105

Die Aufführungen finden im Anschluss an den performativen Audiowalk Wenn Wände sprechen statt, der um 17:00 Uhr beginnt.


Zum Solo Goodbye

Ausgehend von der Familiengeschichte des Choreografen und Tänzers Nitsan Margaliot ist Goodbye ein Solo, das sich auf eine Vergangenheit bezieht, die zugleich sowohl ungreifbar als auch gegenwärtig ist. In Form einer choreografischen Reise durch abwesende Erinnerungen und begleitet vom Flüstern des Klaviers, zeichnet es die fast unmögliche Begegnung mit der Vergangenheit nach.

Sein Großvater, der 1920 in Chemnitz unter dem Namen Adolf geboren wurde, floh während des Holocaust nach Palästina-Israel und änderte seinen Namen später in Abraham. Margaliots zweiter Vorname ist Avraham, in Gedenken an ihn. Nachdem er die Gegenreise unternommen und den größten Teil seines Erwachsenenlebens in Deutschland verbracht hat, versucht Nitsan Margaliot in seinem Werk Goodbye, sich mit seiner belasteten Familiengeschichte zu versöhnen, indem er Spuren aus der Vergangenheit in ein Zusammenleben mit der Gegenwart bringt.

Die Geschichte von Flucht und Sehnsucht, die seine Familie bis heute prägt, konfrontierend, verwandelt Goodbye Erinnerung in Bewegung und Abwesenheit in Präsenz. In gewisser Weise ist es ein Protokoll, um zwei Körper in einem zu beschwören, Margaliot und den Großvater, den er nie kennengelernt hat. Goodbye findet entlang einer Zusammenstellung von Archivresten statt, die choreografisches Material und poetische Ansprache zusammenbringt. Das Stück verwandelt eine angespannte Vergangenheit in physische Abrechnung durch Prozesse des Verarbeitens, Tragens und Neupositionierens.


Workshop

Persönliche Geschichten und Archiv im Spannungsfeld von Text, Bild und Körper

In diesem Workshop gibt Nitsan Margaliot Einblicke in die choreografischen Methoden und Bewegungspraxen, aus denen sein Solo Goodbye hervorgeht.

In dem Workshop haben die Teilnehmenden die Chance zu erforschen, wie persönliche Geschichten und Archivmaterial in Bewegung übersetzt werden können. Mit körperlichen Erkundungen und angeleiteten Übungen gewinnen sie Einblicke in die Methoden, die Nitsan Margaliot nutzt, um seine persönlichen Archivmaterialien in experimentelle Scores zu übersetzen, wie er sie auch für die Entwicklung seines Solos Goodbye verwendet hat:

“Im Verlauf des Stücks collagiere ich Erinnerungen und Spuren, die sich schichtweise über das Tanzen legen – eine Art Rufen und Antworten auf die Vergangenheit. Während das Stück sich entfaltet, verändert sich der Zustand und die Textur meines Körpers von funktionalen Bewegungen hin zu ausformulierten, aufgeladenen, dichten Körperlichkeiten, bis hin zu einem physischen Zustand des langen Aufatmens.”

Nitsans Beschreibung gibt einen ersten Einblick darin, wie er sich der Übersetzung von Erinnerungen in tänzerische Bewegung für ihn während der Stückentwicklung von Goodbye anfühlte–in diese Praxis werden die Teilnehmenden eingeladen, einzutauchen und sie mit ihren eigenen Erinnerungen zu verknüpfen. Gemeinsam wird erprobt, wie Text und Bild in Bewegung übertragen werden können und wie sich Erinnerungen und historische Spuren wie eine Collage auf die Bewegung legen. Während des Workshops soll außerdem erkundet werden, wie dadurch ein Gespräch zwischen Vergangenheit und Gegenwart entstehen kann. Damit wird die Auseinandersetzung mit der eigenen, persönlichen Geschichte auf künstlerischer Ebene erfahrbar gemacht.

Termin: 21. Juni 2026, 11:00-14:00 Uhr
Ort: 4fT - Tanzplattform Leipzig, Erich-Zeigner-Allee 64e, 04229 Leipzig
Solidaritätspreis: 55 € | 45 € | 35 €
Anmeldung: kontakt@tanzplattform-leipzig.de

Der Workshop findet in englischer Sprache statt und richtet sich an alle Menschen mit Interesse an Tanz, Bewegung und choreografischer Praxis.


TanzDIALOG - Über | Haltung | Unter

Zwischen Archiv und Körper - Work-in-Progress-Showing und interdisziplinäres Gespräch mit Nitsan Margaliot und Dr. Todd Sekuler, Kulturwissenschaftler und Ethnologe.

Ausgehend von Nitsan Margaliots Solo Goodbye bringt dieser Dialog künstlerische, choreografische und kulturwissenschaftliche Perspektiven auf Erinnerung, historische Zeugnisse und Formen der Überlieferung miteinander in Austausch. Dabei öffnet die Veranstaltung einen Blick auf die Geschichte jüdischer Gemeinschaften zwischen Sachsen und Polen – und fragt, wie persönliche und kollektive Spuren in Körpern, Bildern und Archiven bis in die Gegenwart weiterwirken – und wie der Blick aus der Gegenwart den Umgang mit der Vergangenheit prägt.

Als Auftakt des Dialogs zeigt Nitsan Margaliot choreografische Materialien aus der laufenden Entwicklung seines Solos Goodbye. Im Anschluss spricht er darüber, wie er sich mit Sprache, familiären Archiven und choreografischer Recherche der Vergangenheit nähert – zwischen Neugier, Vorstellungskraft und dem Wunsch, verwobene Spuren der eigenen Geschichte besser zu verstehen.

Anschließend nimmt Dr. Todd Sekuler das Publikum mit auf einen Rechercheweg, der in Tarnów in Polen beginnt: bei der langjährigen Arbeit der Anthropologin Margit Berner mit fotografischen Beständen aus dem dortigen Ghetto. Ihre daraus entstandene Ausstellung The Cold Eye widmet sich den letzten Bildern jüdischer Familien aus Tarnów. Aus der Begegnung mit diesen Materialien entwickelt Sekuler Fragen danach, wie Archive nicht nur bewahrt oder erklärt, sondern neu in Beziehung gesetzt werden können: zu den Menschen, deren Spuren sie tragen, zu den Lücken und Gewalten ihrer Entstehung und zu unserer Gegenwart. Gemeinsam mit seinem Bruder, einem Filmemacher, fragt Sekuler ebenso, wie historisches Material weitergearbeitet werden kann: nicht im Sinne einer Wiederherstellung eines vermeintlichen Originals, sondern als Auseinandersetzung mit Übertragung, Verlust, medialen Spuren und den Lücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dabei berührt seine Präsentation sowohl Fragen historischer Forschung als auch künstlerische und politische Dimensionen des Umgangs mit Archiven, Erinnerung und Gegenwart.

Im Anschluss findet ein offener Austausch mit dem Publikum statt. Gemeinsam wird gefragt, wie persönliche und kollektive Archive künstlerisch aktiviert werden können, wie historische Spuren im Körper, in Bildern und in Erzählungen weiterwirken – und welche Formen von Nähe, Verantwortung und Neuverortung daraus in der Gegenwart entstehen.

TanzDIALOG – Über | Haltung | Unter ist ein interdisziplinäres Gesprächsformat von 4fT – Tanzplattform Leipzig. Es bringt Tanzschaffende mit Expert:innen aus unterschiedlichen Wissensfeldern zusammen und schafft einen Raum, in dem künstlerische Prozesse, gesellschaftliche Fragen und verschiedene Erfahrungswelten miteinander in Austausch treten.

Termin: 27. Juni 2026, 16:00-17:30 Uhr
Ort: 4fT - Tanzplattform Leipzig, Erich-Zeigner-Allee 64e, 04229 Leipzig
Solidaritätspreis: 16 € | 12 € | 8 €
Anmeldung: kontakt@tanzplattform-leipzig.de

Die Veransaltung findet in englischer Sprache statt.


Leipzig Premiere und Aufführung in der Remise 24

Die Aufführungen von Goodbye im September 2026 im Veranstaltungsraum Remise 24 finden im Rahmen des Projekts DIE BUDE von Hermann Heisig und Anne Zacho Søgaard statt. Dabei treten sie in einen thematischen Dialog mit dem performativen Audiowalk Wenn Wände sprechen, der Fragen nach dem Umgang mit Brüchen und Kontinuitäten in der Geschichte des Hauses in der Leibnizstraße 24 aufwirft: ein Haus, das zwischen 1919 und 1934 ein Ort jüdischen Lebens sowie Wohn- und Bethaus des chassidischen Rabbiners Israel Friedmann in Leipzig war; ein Haus, das Hermann Heisigs Urgroßvater Hermann Straube 1935 als Firmensitz für seine Lotterieeinnahme erwarb; ein Haus, das Hermann Heisig 2023, zwei Generationen später, erbte und nun als Projektraum für künstlerische Arbeiten genutzt wird.

So wie Goodbye historische Spuren künstlerisch befragt und danach fragt, wie die Arbeit mit persönlichen und kollektiven Archiven ein historisches Spüren – und dadurch eine Neupositionierung in der Gegenwart – ermöglichen kann, fragt auch Wenn Wände sprechen: Wie lässt sich mit Geschichte und ihren Brüchen umgehen? Wie lässt sich die eigene Rolle darin reflektieren?

Im Publikumsgespräch nach der letzten Vorstellung von Goodbye sprechen die beteiligten Künstler*innen über ihre unterschiedlichen Ansätze und öffnen einen Raum, um individuelle und kollektive Geschichte gemeinsam zu befragen.

Termine: 11. & 12. September 2026, jeweils 20:00 Uhr
Ort: Remise 24, Leibnizstraße 24, 04105 Leipzig
Preis & Anmeldung: werden noch bekannt gegeben.

Die Aufführungen finden im Anschluss an den performativen Audiowalk Wenn Wände sprechen statt, der um 17:00 Uhr beginnt.


Über Nitsan Margaliot

Nitsan Margaliot ist ein in Berlin lebender Choreograf und Performer. In seiner Arbeit beschäftigt er sich mit Relationalität durch queere, persönliche und unheimliche Archive. Er absolvierte einen MFA in Tanz an der University of the Arts in Philadelphia. Seine Arbeiten wurden u. a. im The 5th Floor Tokyo, 14StreetY NYC, im Archiv der Avantgarden – Egidio Marzona, im Radialsystem, bei den Berliner Festspielen, in der Sammlung Hoffmann und im Frankfurt LAB präsentiert. 2020 initiierte er gemeinsam mit Sasha Portyannikova und Anna Chwialkowska Touching Margins, ein Alter-Archiv. Von 2022 bis 2024 kuratierte er gemeinsam mit weiteren Künstler*innen das ACROSS Festival sowie mehrere Ausstellungen in der Galerie Wedding. 2025 entwickelte er mit BACK TO YOU ein abendfüllendes Stück für die Tanzcompagnie des Pfalztheaters Kaiserslautern. 2025/26 ist er mit Unterstützung des Bureau du théâtre et de la danse / Institut français Deutschland Resident an der Cité internationale des arts in Paris.Nitsan Margaliot war Artist-in-Residence an Institutionen wie dem Tanzhaus Zürich, HELLERAU und tanzhaus nrw. Er unterrichtet regelmäßig im Masterstudiengang Tanz am Royal Conservatoire Antwerp sowie am Zentrum für Zeitgenössischen Tanz der Hochschule für Musik und Tanz Köln.

Über Todd Sekuler

Todd Sekuler ist Oberassistent im Bereich Populäre Kulturen am Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft der Universität Zürich. Er hat einen Master in Public Health von der Mailman School of Public Health der Columbia University sowie einen PhD in Europäischer Ethnologie von der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine aktuelle Forschung beschäftigt sich mit neu aufgetauchten Objekten aus dem jüdischen Leben vor dem Holocaust in Tarnów, Polen. Weitere laufende Forschungsschwerpunkte sind Kunst und Aktivismus im Kontext von HIV/AIDS, queere Verwandtschaft sowie alternative Formen der Wissensproduktion und ethnografischen Praxis.


Choreographie und Performance: Nitsan Margaliot
Dramaturgie: Maxwell McCarthy, Anna Chwiałkowska
Sounddesign und Komposition: Antoine Mermet
Kostümdesign: Kaur Hensel
Produktionsleitung: Charlie Fouchier
Öffentlichkeitsarbeit: Niko Jacobi

Mit Dank an Hermann Heisig und Anne Zacho Søgaard

“Goodbye - Iterations” ist ein Projekt von 4fT – Tanzplattform Leipzig und Charlie Fouchier, in Kooperation mit dem Ariowitsch Haus und dem Projektraum Remise 24. Das Projekt wird gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes. Das Projekt wird vom Kulturamt der Stadt Leipzig gefördert.
 

Termine:

Sonntag
21.06.2026
11:25 Uhr
4fT – Tanzplattform Leipzig Erich-Zeigner-Allee 64 (Haus E) 04229 Leipzig
Workshop
Sonntag
28.06.2026
16:00 Uhr
4fT – Tanzplattform Leipzig Erich-Zeigner-Allee 64 (Haus E) 04229 Leipzig
TanzDIALOG
Freitag
11.09.2026
20:00 Uhr
Remise 24 - Leibnizstraße 24, Leipzig 04105
Aufführung
Samstag
12.09.2026
20:00 Uhr
Remise 24 - Leibnizstraße 24, Leipzig 04105
Aufführung